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S. Feinberg (1890 - 1962)
Konzertreihe in Paris
Eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten der 'russischen
Klavierschule' ist unbestreitbar Samuil E. Feinberg. Zu Zeiten
des 'Eisernen Vorhangs' allenfalls ein sogenannter Geheimtip,
dringt der Name des Pianisten (dem Joachim Kaiser Weltrang zuerkannte)
nunmehr im Westen über den engen Kreis ausgesprochener Klavierliebhaber
hinaus. Auf Seiten der wissenschaftlichen Publizistik hat das
Interesse gleichfalls eingesetzt, und das aus gutem Grund: Feinberg,
der als Interpret wie als Pädagoge in der Sowjetunion hohes
Ansehen genoss, war auch ein sehr ernsthafter Komponist, dem
die Anerkennung in seinem Lande nicht versagt blieb.
Im Bemühen um die weitere Verbreitung seines kompositorischen
Werkes stellte 1998 die Gründung der 'Association internationale
Feinberg-Skalkottas' einen entscheidenden Schritt dar. Der griechische
Komponist Nikos Skalkottas (1904-1949) war Schüler Schönbergs
in dessen Berliner Zeit.
In diesem Jahr veranstaltet die Assoziation eine Konzertreihe,
die sowohl Skalkottas zu dessen 50. Todestag als auch Feinberg,
der in fünf von insgesamt neun Konzerten vertreten ist,
würdigen möchte. Beide Komponisten werden in einer
interessanten Werkauswahl vorgestellt; ergänzend stehen
Werke von Nono, Sibelius, Berg, Janacek u.a. auf dem Programm.
Insgesamt bietet die Veranstaltung einen sehr guten und willkommenen
Einblick in Feinbergs Schaffen - einstweilen unberücksichtigt
blieben seine zahlreichen Transkriptionen für Klavier.
Neben den zwölf Klaviersonaten sind es drei Klavierkonzerte,
die Feinbergs stilistische Entwicklung über die Jahrzehnte
hinweg markieren. Während das 2. Konzert in einer Aufnahme
mit dem Komponisten erhalten ist und das dritte in der Einspielung
mit Victor Bunin, einem Schüler Feinbergs, vorliegt, hat
vergangenes Jahr Christophe Sirodeau, der Initiator der Assoziation,
das 1. Konzert wieder aufgeführt .
Zum diesjahrigen Programm: Begleitet von Chr. Sirodeau, werden
Riitta-Maija Ahonen und Delphine Collot frühe, unveröffentlichte
Lieder (eine Ausgabe ist geplant) nach Gedichten von Blok, Bely,
Zvetaeva und Briussov vortragen. Nicht anders als bei der Vertonung
eines Gedichts von Rimbaud handelt es sich hier um Uraufführungen!
Möglich, dass ein Ensemble zu einer weiteren Uraufführung
zusammenfindet: die beiden Sätze eines Streichquartetts
galten lange Zeit als vernichtet, konnten jedoch kürzlich
aufgefunden werden. An einem der Abende sind zwei Sätze
einer Violinsonate zu hören, die unvollendet blieb, deren
Material Feinberg aber Jahrzehnte später wieder verwendet.
Chr. Sirodeau wird die 2. Fantasie von 1919 und Auszüge
aus dem Kinderalbum spielen sowie die beiden bekannteren Klaviersonaten,
nämlich die zweite und die sechste. Die Kombination der
6. Sonate mit Strawinskys Klaviersonate hat ihren Reiz nicht
zuletzt darin, dass es die Gegenüberstellung schon 1925
beim Kammermusikfest der IGNM gab. Schliesslich Sirodeau mit
der 7. Sonate: es hat nicht den Anschein, dass dieses ausnehmend
komplexe und bis 1978 ungedruckte Werk seit den Tagen, da der
Komponist es in Wien und Berlin bot, jemals wieder erklungen
ist ... Nur dreier Konzertreisen, die Feinberg seit 1925 nach
Deutschland unternahm, bedurfte es, den herausragenden Ruf des
Musikers (damals spielte er die 7. Sonate) zu bestätigen.
Grammophonaufnahmen in Berlin, Rundfunkübertragungen aus
Berlin und München; die zeitgeschichtlichen Umstände
veränderten bald alles.
Am ehesten kennen wir Samuil Feinberg heute als den meisterlichen
Interpreten des 'Wohltemperierten Klaviers'; in Paris besteht
dieses Jahr Gelegenheit, das Bild der grossen Künstlerpersönlichkeit
um eine Farbe zu bereichern und den Komponisten Feinberg kennenzulernen.
©1999 Nicolo-A. Figowy |
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